Klavierunterricht für Groß und Klein

Wie soll man üben?

Ein Thema mit vielen Vorurteilen. Einer von ihnen lautet: Viel hilft viel.  Nicht unbedingt. Ich würde eher sagen: Klug hilft viel.

Es gibt also dummes Üben und kluges Üben.

Wie sieht dummes Üben aus? Man spielt das Stück immer und immer wieder, unachtsam, in andere Gedanken versunken, ohne darauf zu achten, ob sich das Spiel verbessert, wo gibt es Probleme und wie man sie beheben kann. Mann versucht nicht zu verstehen, wie das Musikstück gebaut ist, aus welchen Teilen es besteht und in welchem Verhältnis stehen diese zueinander.  Das Stück wird ausschließlich als Ganze wahrgenommen. Deswegen wenn man beim Spielen einmal rausgekommen ist, weiß man es nicht besser als wieder von vorne anzufangen. Von solchem Üben bekommt man zwar kräftige Finger, aber es ist sehr zeitaufwändig und ineffizient.

Was ist denn das kluge Üben? Man genießt das Stück als Ganze und gleichzeitig bemüht sich, es zu verstehen. Man sieht ähnliche und sich wiederholende Stellen, so fängt das Formenverständnis an. Man sieht das Zusammenspiel von Melodie und Harmonie, das „Gespräch“ der unterschiedliche Stimmen, die Folge der Motive und wie sie im Ganzen vereint sind. Man sieht „Bausteine“ des Stückes, und die kann man einzeln, aufmerksam und liebevoll einüben. Und zwar nach dem Prinzip: Erst denken, dann tun.  Dann vereint man die Bausteine zum ganzen Gebilde, das man nun versteht, wo man sich auskennt.

Ist das nicht zu „köpfig“, fragen Sie?

Ich denke, nein. Für mich ist der Unterschied zwischen dummen und klugen Üben etwa wie der Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe. Das erste ist leidenschaftlich, kurzlebig und… doof. Man hat noch keine wirkliche Ahnung, mit wem man zusammen ist. Das zweite ist vom tiefen Gefühl, voller Weisheit und kann sehr nachhaltig sein.

Es gibt aber noch ein besseres Üben: Das kreative Üben. Man fängt an, die kleinere musikalische Einheiten zu verändern, mit ihnen zu spielen. Durch die Veränderung erreicht man die Kontrolle.

 

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