Klavierunterricht für Groß und Klein

Üben

Heute ist mein erster voller Arbeitsmontag des Jahres. Sehr aufregend! Montag ist immer ein besonderer Tag, immer ein neuer Anfang.

Es ist eine Gelegenheit für mich, nochmal in Bewusstsein zu bringen, wofür ich das alles eigentlich mache. Wofür also? Was will ich erreichen?

Ich will ein erfülltes Leben führen, indem ich das tue, wofür ich in diese Welt gekommen bin, und dabei glücklich sein. Ich bin in die Welt gekommen, um die anderen zu ermutigen, sich mit dem Schönen zu beschäftigen. Besonders gut kann ich das im individuellen Klavierunterricht.

Wann bin ich denn glücklich im Unterricht?

Ich bin glücklich, wenn der Schüler/die Schülerin gerne spielt und (jeder nach seinem Maß) Fortschritte macht. Wenn er/sie Freude an der Musik und Selbstvertrauen erlangen. Wenn er/sie das Schöne für sich entdeckt. Das alles gibt meiner Arbeit Sinn.

Ich werde mich weiterhin bemühen, meine Arbeit gut zu tun. Allerdings ist das, was in der Stunde passiert oder erlebt wird, bei weitem nicht alles. Meine Schüler müssen Fortschritte machen, erst dann können sie nämlich Musik genießen. Freude kommt beim Üben. Ich möchte im neuen Jahr ganz besonders darauf achten, ob und wie meine Schüler üben.

(Fortsetzung folgt)

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„Können Sie Klavier spielen?“

„Weiß nicht. Nie probiert“

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Ein Junge übt Klavier. Ein Bekannter ruft von der Straße:

„Sind deine Eltern zu Hause?“

Der Junge antwortet mürrisch:

„Dumme Frage!“

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„Meine Tochter spielt Klavier wie Martha Algerich!“

„Wirklich?!“

„Aber ja! Mit beiden Händen!“

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„Wie findest du mein Spiel?“

„Christlich.“

„Wie meinst du es?“

„Die Linke Hand weiß nicht, was die Rechte tut.“

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„Lieben Sie Klaviermusik?“ – fragte ein Pianist den Mark Twain.

„Sehr“, antwortete der Schriftsteller. „Einmal hat mir ein Klavier das Leben gerettet.“

„Wie denn?“

„Der Fluss war über die Ufer getreten. Als das Wasser den ersten Stock unseres Hauses erreichte, schwamm mein Vater auf einer Kommode davon. Ich habe ihn auf dem Klavier begleitet.“

 

Zur zeit habe ich wieder mehrere junge SchülerInnen im Alter von 6 bis 8 Jahre. Für sie alle stimmt die Tatsache, die ich in den vergangenen Jahre bereits sehr oft beobachtet habe: Kindern bis ins Teenageralter fällt es unheimlich schwer, ein Stück in Abschnitte zu zerteilen und „stückchenweise“ zu üben. Eigentlich können sie das überhaupt nicht.  Um sich selbst daran zu erinnern, dass das absolut normal und gesund ist, habe ich beschlossen, ein kleines altes Buch nochmal zu lesen, das ich von meiner Studienzeit kenne. Ich werde nun eine Zeit lang  die Stellen daraus zitieren, die ich für besonders interessant und nützlich halte.

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Das Üben ist doch überhaupt nicht langweilig! Es gibt viele feine Witze darüber.

Zum Beispiel:

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Eine junge Sängerin singt im Konzert vor. Nach dem Vortrag verbeugt sie sich und möchte die Bühne verlassen. Das Publikum aber schreit: „Nochmal!“ Sie singt ihr Lied nochmal, das Publikum aber schreit wieder: „Nochmal!“ Sie singt wieder, aber es wird immer noch nach einer Wiederholung verlangt.

„Ich bin schon müde! Wie oft soll ich das denn noch singen?“ fragt sie. Aus dem Publikum tönt es: „Bis du das kannst!“

 

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„Wessen Portrait soll ich über meinem Klavier aufhängen: Mozart oder Beethoven?“-

„Lieber den Beethoven. Er war taub.“

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„Mami, warum stehst du immer am Fenster, wenn ich Gesang übe?“ –

„Damit keiner denkt, dass ich dich schlage!“

 

Wie lange dauert es, bis man wirklich Klavier spielen kann?

 

Unterschiedlich, je nach Ziel, Aufwand und Fähigkeiten.

 

Ziel

Wenn man einfache Liedchen und lustige Kinderstückchen spielen möchte, dazu ein bisschen Notenlernen, und sich damit zufrieden gibt, dann reicht ein Jahr.

Wenn man bestrebt, einfache bis etwas weniger einfache originale klassische Stücke und einfache Pop-Musik  spielen zu können, und sich damit zufrieden gibt, dann kann man nach 3-4 Jahren mit dem Unterricht aufhören.

Wenn man aber sich damit nicht zufrieden gibt, sondern wirklich an dem unendlichen Reichtum der Klavierliteratur teil haben will und richtig schöne und interessante Musik im Spielen genießen möchte, dann sollte man eine längere Reise angehen. Ich bin der Meinung, dass es mindestens 7 Jahre sein sollten.

Wenn man noch mehr will, dann stellt sich diese Frage gar nicht mehr.

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Wie soll man üben?

Ein Thema mit vielen Vorurteilen. Einer von ihnen lautet: Viel hilft viel.  Nicht unbedingt. Ich würde eher sagen: Klug hilft viel.

Es gibt also dummes Üben und kluges Üben.

Wie sieht dummes Üben aus? Man spielt das Stück immer und immer wieder, unachtsam, in andere Gedanken versunken, ohne darauf zu achten, ob sich das Spiel verbessert, wo gibt es Probleme und wie man sie beheben kann. Mann versucht nicht zu verstehen, wie das Musikstück gebaut ist, aus welchen Teilen es besteht und in welchem Verhältnis stehen diese zueinander.  Das Stück wird ausschließlich als Ganze wahrgenommen. Deswegen wenn man beim Spielen einmal rausgekommen ist, weiß man es nicht besser als wieder von vorne anzufangen. Von solchem Üben bekommt man zwar kräftige Finger, aber es ist sehr zeitaufwändig und ineffizient.

Was ist denn das kluge Üben? Man genießt das Stück als Ganze und gleichzeitig bemüht sich, es zu verstehen. Man sieht ähnliche und sich wiederholende Stellen, so fängt das Formenverständnis an. Man sieht das Zusammenspiel von Melodie und Harmonie, das „Gespräch“ der unterschiedliche Stimmen, die Folge der Motive und wie sie im Ganzen vereint sind. Man sieht „Bausteine“ des Stückes, und die kann man einzeln, aufmerksam und liebevoll einüben. Und zwar nach dem Prinzip: Erst denken, dann tun.  Dann vereint man die Bausteine zum ganzen Gebilde, das man nun versteht, wo man sich auskennt.

Ist das nicht zu „köpfig“, fragen Sie?

Ich denke, nein. Für mich ist der Unterschied zwischen dummen und klugen Üben etwa wie der Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe. Das erste ist leidenschaftlich, kurzlebig und… doof. Man hat noch keine wirkliche Ahnung, mit wem man zusammen ist. Das zweite ist vom tiefen Gefühl, voller Weisheit und kann sehr nachhaltig sein.

Es gibt aber noch ein besseres Üben: Das kreative Üben. Man fängt an, die kleinere musikalische Einheiten zu verändern, mit ihnen zu spielen. Durch die Veränderung erreicht man die Kontrolle.

 

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