Klavierunterricht für Groß und Klein

Unser Weihnachtsvorspiel gehört jetzt zur Geschichte. Das war, wie immer, sehr schön und sehr lehrreich.

Ich glaube, eine der wichtigsten Dinge dabei ist der Umgang mit den eigenen Fehlern. 

1. Fehler beim Vorspielen.

Man übt fleißig (meistens), man gibt sich beträchtliche Mühe, man gibt sein Bestes, dann kommt das Vorspiel, und schon ist es da: Das Lampenfieber! Die Hände zittern, der Kopf ist plötzlich leer, die Noten verschwimmen vor den Augen…  Schon ist ein Fehler eingeschlichen, dann noch eins, schon ist man rausgekommen und in Panik geraten. Das Vorspiel ist versaut! Ich bin so schlecht!! Und alle haben das gesehen!!! Was nun?

Den Betroffenen würde ich folgendes raten:

Sehr, sehr wichtig: Haben Sie Geduld mit sich selbst. Haben Sie Verständnis für sich. Haben Sie Verständnis auch für Ihre Situation: Sie sind kein Profi, Sie lernen, und beim Lernen sind Fehler normal und sogar notwendig. Sie lernen nicht einfach nur Stücke auf dem Klavier zu spielen, auch das öffentliche Vortragen ist ein Fach für sich. Eine extreme Situation. Ein Eimer kaltes Wasser über den Kopf gekippt. Stellen Sie sich die Vorspielsituation vor als einen unbekannten, ungemütlichen  Ort voller kleiner lästiger Einwohner – Fehler.  Sie sind neu auf diesem Ort oder kommen sehr selten dorthin. Also kommen die Fehler zu Ihnen angelaufen wie neugierige Tierchen. Sie sind nicht schön, eher unangenehm,  manche sind sogar ein wenig gefährlich. Sie fressen Sie nicht auf, aber das sind keine Kuscheltiere, man will sie nicht in seiner Nähe haben.

Also schenken Sie diesen lästigen Wadenbeißer nicht zu viel Beachtung. Sagen Sie einfach kurz Hallo und spielen Sie weiter. Bleiben Sie auf dem Weg, das ist Ihre wichtigste Aufgabe. Wenn Sie einfach nur dabei bleiben, werden die Tierchen weniger aggressiv. Irgendwann lassen sie Sie in Ruhe.

2. Fehler beim Üben

Auch hier ist es sehr, sehr wichtig: Haben Sie Geduld mit sich selbst. Haben Sie Verständnis für sich. Sie sind nicht schlecht oder unmusikalisch, weil es Ihnen Fehler passieren. Sie lernen, also haben Sie das Recht, Fehler zu machen.  Sie haben ein wunderbares Ziel vor den Augen, einen strahlenden Gipfel, zu dem Sie zielstrebig und voller Enthusiasmus hinauf klettern. (Zum Beispiel, „Für Elise“ zu erlernen.) Wenn das Stück deutlich unter Ihrem Niveau ist, dann führt Sie eine gut ausgearbeitete Autobahn  zum Ziel, und Sie haben ganz zufällig ein Auto dabei. Je schwieriger ist das Stück für Sie, desto steiler und steiniger Ihr Weg. Betrachten Sie Ihre Fehler als Steine auf dem Weg. Manche sind klein, manche sind groß, manche sind hartnäckig und wollen mehrmals weggerollt werden… Räumen Sie sie mit Fleiß und Geduld einen nach dem anderen zur Seite und halten Sie immer das Ziel vor den Augen.

Wenn Sie dann das Ziel erreicht haben, wenn das Stück fertig ist und ohne Pannen von den Fingern fließt, dann kann ich Ihnen nur raten: Nehmen Sie sich Zeit, um Ihre neue Errungenschaft zu genießen. Beim Einstudieren, beim Üben haben Sie genug Fehler gehabt. Bleiben Sie bei diesem Stück noch eine Weile und machen Sie eine wunderbare Erfahrung: Ohne Fehler spielen zu können.  Die Mühe muss sich lohnen.

 

 

Schreibe einen Kommentar