Klavierunterricht für Groß und Klein

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Ab und zu sollte man als Musiklehrer(in) sich die Frage stellen: Wozu mache ich das eigentlich? Um jemandem Klavierspiel beizubringen? Und warum sollte man überhaupt Klavier (oder ein anderes Instrument) spielen können? Wäre es nicht besser, die kostbare Zeit für etwas praktisches, nützliches, erfolgversprechendes zu verwenden, zum Beispiel, Mathe oder Wirtschaftslehre?

Und doch hat das Klavierspielen einen großen Nutzen für uns. Für mich hat es vor allem mit der Kreativität zu tun, die das Musizieren mit sich bringt; oder zu der uns das Musizieren eine Tür öffnet. Kreativität – also, wie es im Wörterbuch steht, die „schöpferische Kraft, kreatives Vermögen“, also das, was uns ermöglicht, Neues in jedem Lebensbereich zu erschaffen. Erfindungsreichtum, Vorstellungskraft, Fantasie, Empfindungsvermögen – das alles beinhaltet die Kreativität. Das sind aber auch die Eigenschaften, durch die wir unser Leben in voller Intensität erleben können. Sie erlauben uns, über die grenze des bloßen Funktionieren hinauszugehen und glücklich zu sein.

 

Als Kinder, besitzen alle Menschen kreative Fähigkeiten von Natur aus. Aber das alltägliche Leben fördert sie nur selten, und meistens schlafen sie ein. Es ist zwar weniger interessant, ohne Kreativität zu leben, aber einfacher und irgendwie sicherer. Auch im Klavierunterricht ist es leider so. Als Klavierlehrer ist man immer auf der sicheren Seite, wenn man sich auf das „handwerkliche“ konzentriert.

Deswegen habe ich beschlossen, eine Rubrik zu eröffnen, wo all die Funken  der Kinderkreativität gesammelt werden, die ich im Unterricht sehe, und auch die Übungen zu dem Thema, die ich anwende. Hier sind die ersten Beispiele.

  • J., 6 Jahre alt. Mit ihm kann man ganz gut das Frage-Antwort-Spiel spielen. Einer spielt ein kurzes Motiv, der andere antwortet mit dem eigenen Motiv, usw. Es entstehen ganze interessante Gespräche. Eine andere Übung, die ihm gefällt: Eine Melodie zur Dudelsack-Begleitung zu improvisieren. Die Begleitung kann man etwas erweitern und zu den „Meereswellen“ machen, dazu in den hohen Lagen „bunten Fische“ – kleinen Motive zu improvisieren.
  • C., 9 Jahre alt, klimpert zwischendurch angenehme Klänge und Motive. Hin und wieder versuche ich, etwas davon aufzugreifen und wiederholen. Es gefällt ihr, aber sie ist noch nicht imstande diese kleinen Motive bewusst wahrzunehmen, sich zu merken oder aufschreiben. Wir werden es einfach weiter versuchen, eines Tages wird es klappen.
  • K., 6 Jahre alt, liebt es, wenn ich zu den einfachen Melodien, die sie gerade spielt, einen Text „dichte“. Stückchen ohne Worte findet sie irgendwie doof.
  • „Blödsinn am Klavier“: Wenn ich sehe, dass das Kind müde ist, sage ich: „Und jetzt kannst du eine Minute lang Blödsinn auf dem Klavier machen. Einfach alles spielen, was dir einfällt. Nur nicht kaputt machen.“ Es kommen wildeste Klänge, aber auch sehr schöne.

 

Fortsetzung folgt.