Klavierunterricht für Groß und Klein

Über das Klavierspiel

Eine der Gründe für mich, den Blog zu schreiben, ist dass man dabei ganz viel altes Wissen verstehen und ganz viel Neues lernen kann. Als ich im Blog von Elissa Milne ein Artikel über den Umgang des Klavierlehrers mit Fehlern der Schüler gelesen habe, da habe ich sofort verstanden: Hier gibt es was für mich! Hier kann ich etwas lernen, um mit meinen Schülern besser umzugehen. Denn ich bin bis jetzt jemand, der die Fehler korrigiert, oft mit innerem Unbehagen. Ich fange heute an, dieses Artikel zu übersetzen, um es selber besser zu verinnerlichen und um meinen deutschsprachigen Lesern die Möglichkeit zu bieten, sich mit einer interessanten Meinung zu diesem Thema auseinanderzusetzen. Viel Spaß beim Lesen!

Hier ist die Quelle:    http://elissamilne.wordpress.com/2011/02/26/piano-lessons-for-life-dont-correct-mistakes/

 

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Klavierstunden fürs Leben:

Korrigieren Sie die Fehler nicht!

Das Korrigieren kann die ganze Unterrichtsstunde einnehmen. Es kann zu ihrem Hauptinhalt werden.  Nach und nach kann es alles lebendige aus dem Unterricht herauspressen. Es ist für den Lehrer kein Vergnügen, noch weniger für den Schüler, und auch sonst bringt es nichts Gutes.

Das Korrigieren der Fehler zieht die ganze Aufmerksamkeit zu den Dingen, die falsch oder schlecht getan wurden, und nicht zu dem, was wir bestreben wollen, was gut und richtig ist. Das ist keine gute Taktik, um die Leistung zu verbessern (auf dem Klavier, auf dem Tennisplatz und auch bei keiner anderen Aktivität), denn man ist am meisten mit sich beschäftigt, mit seinem Fehler, und nicht mit der Außenwelt und mit der Sache, die er so gerne macht.

Es ist aber so leicht, sich das Korrigieren anzugewöhnen. Die Liste der Dinge, die man nicht tun soll, sieht beeindruckend aus und lässt sich sehr einfach zusammenstellen. Im Klavierspiel (und im Leben) ist es oft leichter zu sagen, was man nicht will, als was man will. Das ist so, weil das, was wir wollen, kann sich ändern – von einem Tag auf den anderen, von einem Augenblick auf den anderen. Das Richtige, das Erwünschte ändert sich zusammen mit dem Kontext; es ist viel leichter, die verbotenen Dinge aufzulisten, als die eigene Weisheit zu aktivieren, um weise zu handeln.

Für alle, die nie Klavierunterricht genommen haben, oder für alle, bei denen er schon sehr lange zurück liegt möchte ich so eine Unterrichtssituation beschreiben, wo das Korrigieren zum Hauptinhalt des Unterrichts geworden ist. Nehmen wir an, der Schüler spielt eine Tonleiter und stolpert über irgendeine Note. Der Lehrer hat zwei Möglichkeiten: zu sagen entweder welche Note gespielt werden sollte, oder mit welchem Finger. So ergibt sich eine Unterrichtsstunde, im Laufe derer der Lehrer in regelmäßigen Abständen „G!“ oder „Vierter Finger!“ ruft.

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Diesen Text habe ich im Blog von Elissa Milne gefunden. Sie ist eine wunderbare Pianistin und Klavierlehrerin aus Australien. Hier können Sie es im Original lesen: http://elissamilne.wordpress.com/

Mit ihrer Erlaubnis fange ich heute damit an, das „Manifestum“ zu übersetzen. Viel Spaß beim Lesen!

 

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Wofür braucht man Klavierunterricht?

1. Klavierunterricht ist dafür da, um zu lernen, wie man coole Sachen auf dem Klavier macht.

Bereits in den ersten Stunden kann man solche Coole Sachen machen:

– Bekannte Melodien spielen

– Glissandi spielen

– Das rechte Pedal benutzen

 

Später, wenn man mehr gelernt hat, kommen viele andere Möglichkeiten dazu, zum Beispiel:

– Melodie und Begleitung im richtigen Verhältnis zueinander spielen

– Zwei Stimmen mit einer Hand spielen

– Tonalität und Modulation beherrschen

– Unterschiedliche Begleitmuster erkennen und spielen lernen, nach Noten und nach Gehör

– Unterschiedliche Akkorde und Akkordreihen bilden lernen

– Eine chromatische Tonleiter spielen lernen – schnell!

– Tonleiter in Parallelbewegung, in Gegenbewegung, in Terzen und Sexten spielen

– Pianistische Artikulation einsetzen und dadurch differenzierter spielen können

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Christoph Peter schreibt weiter:

Beim kleinen Kind ist dieses Üben noch nicht notwendig, da es unmittelbar nachahmt. Bei ihm ist alles Spiel. Jetzt soll ein Üben, aber ein spielendes (nicht spielerisches) Üben einsetzen. Der Wechsel, der Atem wird im zugrunde gelegt. Die Wiederholung kleiner Melodiestrecken im Singen im Singen und im Instrumentalunterricht ermöglichen das Lernen. Doch dürfen diese nicht offen und unfertig sein. Nur die ausgewogene musikalische Phrase, die – musikalisch gesprochen – Ein- und Ausatmen in sich vereint, kann öfter eingesetzt werden. Man kann eine Klasse Zehnjährige in kürzester Zeit in Unordnung bringen, wenn man musikalische Phrasen willkürlich unterbricht und nicht nach einer organischen, d. h. dem Metrum des Stückes entsprechenden Pause, wieder einsetzt.  Eine wahllos zerstückte Melodie zu üben, fällt schon einem Erwachsenen schwer; dem Kind ist es fast unmöglich, wenn es nicht rein mechanisch die Sache bewältigen soll. Der Verstand müsste sich zu stark betätigen, statt dass ihm das Üben selbst zur Kunst wird. So finden die Gegenpole Atem und Bewusstsein im künstlerischen Üben ihren Ausgleich.“

Womit fange ich an?

Mit einem Loblied für das Klavier aus dem Buch von Dieter Hildebrand „Pianoforte“.

„Das Klavier ist das ordentlichste Instrument… Da liegt, auf siebeneinhalb Oktaven verteilt, die gesamte abendländische Musik vorrätig, spielfertig, jederzeit durch Tastendruck abzurufen…  Zwischen Hänschen klein und Hammerklaviersonate gibt es mehr Möglichkeiten, als selbst die Musikwissenschaft sich träumt.

Das Klavier ist das athletischste Instrument. Es erfordert soviel Kraft und Schwung, dass sich ganze Generationen nicht nur von Pädagogen, nein, auch von Anatomen und Muskelspezialisten, von Chiro- und Orthopäden und selbst Masseure mit dem Klavierspiel befasst haben…

 Das Klavier ist auch das einladendste Instrument… Wer eine Taste anschlägt, hört einen Ton. Wer es mit der Faust traktiert, dem erwidert eine Art Akkord. Wer den ganzen Unterarm auf der Klaviatur ablegt, erzeugt etwas sehr modernes: einen Cluster. Wer die Tastatur in einem Wisch abstauben will, produziert ein Glissando. Solche Reaktion ist alles andere als selbstverständlich: Man sollte wissen, dass die meisten anderen Instrumente sich kauzig, durchtrieben, ja sogar unwillig verhalten. Streichinstrumente reagieren auf den Zugriff des Laien mit der berühmten Katzenmusik. Und nun erst Holz und Blech: Vieles darunter, so die Querflöte und die Trompete, geben nicht einen Hauch von sich, wenn jemand sie bedient, der von tuten und Blasen keine Ahnung hat.

Das Klavier…  ist also das demokratischste Instrument“.

Hier stimmt jedes Wort. Ich sage euch, die angehende Klavierspieler: Wir beschäftigen uns mit dem interessantesten Musikinstrument der Welt.

 

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