Klavierunterricht für Groß und Klein

Monats-Archive: Dezember 2014

Die russische Klavierschule.

Diese Schule in ihrer erweiterten Version war eine lange Zeit das offizielle Unterrichtswerk für die Musikschulen in der ehemaligen Sowjetunion. Zweckmäßigerweise ist sie so zusammengestellt, dass man in Prinzip alles in einem Buch hat, um die ersten wichtigsten Grundlagen für ein professionelles Klavierspiel zu erwerben. Sie enthält vielfältiges klassisches Unterrichtsmaterial von sehr guter Qualität, was sie von manchen moderneren deutschen Schulen positiv unterscheidet. In allen drei Bänden findet man kein einziges schlecht komponiertes oder arrangiertes Stück.

Allerdings  sollte man bei dieser Schule einiges bedenken:

  • Sie ist zwar für Kinder gedacht, aber behandelt die Kinder als kleine Profis. Sie ist sehr akademisch aufgebaut, das Notenbild ist mit vielen Interpretationsdetails etwas überladen, es gibt keine Bilder (ich persönlich finde es besonders bedauerlich), die Stücke sind anspruchsvoll. Es sind in sich keine Nachteile, nur muss man damit umgehen können.
  • Auf der letzten Seite steht unter anderem geschrieben: „Die zweibändige „Russische Klavierschule“ kann innerhalb von zwei bis drei Jahren bewältigt werden.“ Diese Zeitangabe sollte man nicht allzu wörtlich nehmen. In zwei bis drei Jahre schafft man es, wenn man fleißig übt, guten Lehrer hat und über eine gewisse Begabung verfügt. Sonst kann es auch etwas länger dauern.
  • Diese Schule erklärt sich nicht von selbst. Man muss unbedingt einen Lehrer/eine Lehrerin haben.

Ansonsten ist die russische Klavierschule eine sehr gute Schule. Wenn man bereits die Grundlagen beherrscht, kann man sie als Repertoiresammlung benutzen, auch ohne Lehrer, wenn man ausreichen gut Noten lesen kann. Die Ausgabe mit CD könnte in diesem Fall hilfreich werden.

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Ab und zu sollte man als Musiklehrer(in) sich die Frage stellen: Wozu mache ich das eigentlich? Um jemandem Klavierspiel beizubringen? Und warum sollte man überhaupt Klavier (oder ein anderes Instrument) spielen können? Wäre es nicht besser, die kostbare Zeit für etwas praktisches, nützliches, erfolgversprechendes zu verwenden, zum Beispiel, Mathe oder Wirtschaftslehre?

Und doch hat das Klavierspielen einen großen Nutzen für uns. Für mich hat es vor allem mit der Kreativität zu tun, die das Musizieren mit sich bringt; oder zu der uns das Musizieren eine Tür öffnet. Kreativität – also, wie es im Wörterbuch steht, die „schöpferische Kraft, kreatives Vermögen“, also das, was uns ermöglicht, Neues in jedem Lebensbereich zu erschaffen. Erfindungsreichtum, Vorstellungskraft, Fantasie, Empfindungsvermögen – das alles beinhaltet die Kreativität. Das sind aber auch die Eigenschaften, durch die wir unser Leben in voller Intensität erleben können. Sie erlauben uns, über die grenze des bloßen Funktionieren hinauszugehen und glücklich zu sein.

 

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Das Schönste in meinem Beruf ist, dass ich nicht einfach nur anderen Leuten Klavierspielen beibringe: Ich lerne auch ständig von ihnen.

Also, was habe ich alles aus dem Wintervorspiel 2014 gelernt?

  • Sieben Teilnehmer (plus ich selbst) ist es nicht zu wenig. Das Ganze hat über Dreiviertelstunde gedauert.
  • Ein Vorspiel muss unbedingt sein. Es ist ein tolles Erlebnis, es vertieft die Schüler-Lehrer-Verbindung, es hilft dem Vorspielenden, sich selber besser zu verstehen.
  • Fehlerfrei muss es nicht sein. Trotz aller Fehler, war es am letztem Samstag sehr schön!
  • Es ist in Ordnung, dass eine Schülerin das Stück ihrer Träume sich vornimmt, obwohl es viel zu schwer für sie ist. Ich werde es weiter ermutigen. Aber ab jetzt achte ich darauf, dass es nicht vorgespielt wird. Denn mit so einem Stück massiv zu scheitern, ist nicht die Art Erfahrung, die ich für meine SchülerInnen wünsche.

Ich habe wunderbare Schüler und Schülerinnen. Ich freue mich riesig, dass sie immer größere Fortschritte machen und die Freude am Spielen nicht verlieren. Ich bin sehr stolz auf sie.

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