Klavierunterricht für Groß und Klein

Monats-Archive: November 2013

Wie soll man üben?

Ein Thema mit vielen Vorurteilen. Einer von ihnen lautet: Viel hilft viel.  Nicht unbedingt. Ich würde eher sagen: Klug hilft viel.

Es gibt also dummes Üben und kluges Üben.

Wie sieht dummes Üben aus? Man spielt das Stück immer und immer wieder, unachtsam, in andere Gedanken versunken, ohne darauf zu achten, ob sich das Spiel verbessert, wo gibt es Probleme und wie man sie beheben kann. Mann versucht nicht zu verstehen, wie das Musikstück gebaut ist, aus welchen Teilen es besteht und in welchem Verhältnis stehen diese zueinander.  Das Stück wird ausschließlich als Ganze wahrgenommen. Deswegen wenn man beim Spielen einmal rausgekommen ist, weiß man es nicht besser als wieder von vorne anzufangen. Von solchem Üben bekommt man zwar kräftige Finger, aber es ist sehr zeitaufwändig und ineffizient.

Was ist denn das kluge Üben? Man genießt das Stück als Ganze und gleichzeitig bemüht sich, es zu verstehen. Man sieht ähnliche und sich wiederholende Stellen, so fängt das Formenverständnis an. Man sieht das Zusammenspiel von Melodie und Harmonie, das „Gespräch“ der unterschiedliche Stimmen, die Folge der Motive und wie sie im Ganzen vereint sind. Man sieht „Bausteine“ des Stückes, und die kann man einzeln, aufmerksam und liebevoll einüben. Und zwar nach dem Prinzip: Erst denken, dann tun.  Dann vereint man die Bausteine zum ganzen Gebilde, das man nun versteht, wo man sich auskennt.

Ist das nicht zu „köpfig“, fragen Sie?

Ich denke, nein. Für mich ist der Unterschied zwischen dummen und klugen Üben etwa wie der Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe. Das erste ist leidenschaftlich, kurzlebig und… doof. Man hat noch keine wirkliche Ahnung, mit wem man zusammen ist. Das zweite ist vom tiefen Gefühl, voller Weisheit und kann sehr nachhaltig sein.

Es gibt aber noch ein besseres Üben: Das kreative Üben. Man fängt an, die kleinere musikalische Einheiten zu verändern, mit ihnen zu spielen. Durch die Veränderung erreicht man die Kontrolle.

 

Eine sehr, sehr wichtige Frage:

Ist es egal, was man spielt: Klavier, E-Klavier oder Keyboard? Was ist besser?

Vor 4 Jahren musste ich mich von meinem geliebten mechanischen Klavier trennen. Ich war darauf nicht vorbereitet, dass es so schmerzhaft sein wird. Als ob du einen Freund verloren hättest. Das hat gedauert, bis ich mein neues hochwertiges elektronisches Instrument akzeptiert und (noch später) einigermaßen lieb gewonnen habe.

Kein Pianist, der mit einem echten Klavier aufgewachsen ist, wird es freiwillig gegen ein elektrisches tauschen. Das Problem ist, manchmal muss es sein. In einer Mietwohnung zu leben und vernünftig zu üben, ohne dass sich die Nachbarn beschweren, ist fast unmöglich. Ein E-Klavier kann man leise drehen oder mit Kopfhörer spielen.

Also:

Ein „echtes“ Klavier ist das Beste, aber nur für diejenigen, die keine Rücksicht auf ihre Nachbarn nehmen müssen. Nachteil: zweimal im Jahr müssen Sie den Stimmer bezahlen.

Ein E-Klavier ist eine gute universelle Lösung für ein Mietshaus. Nachteile: Es verbraucht etwas Strom; die Reparatur ist zwar möglich, aber es kommt sehr auf Ihr  Wohnort an.

Ein Keyboard… Gut, es gibt viele Leute, für die es genau das Richtige ist. Man muss schon die Technik mögen, man muss bereit sein, die vielfältige Funktionen des Keyboards zu studieren und zu nutzen. Es ist nun mal nicht mein Ding.

 

Ist es egal, ob ich ein billiges Instrument nehme oder ein teures?

Leider nein.

Wenn Sie ein „echtes“ Klavier suchen, kaufen Sie am besten ein neues. Tasteninstrumente, anders als Streichinstrumente, altern und zeigen deutlich ihre Alterserscheinungen. Sie können natürlich Glück haben und ein wunderbares gebrauchtes Instrument bekommen, es wird aber auch seinen Preis haben. Und jedes Angebot sollten Sie unbedingt sehr gründlich selbst prüfen. Probieren Sie jede Taste, spielen Sie Oktaven und Harmonien, machen Sie das  Instrument auf und sehen Sie sich die Mechanik an. Wenn Sie keine Erfahrung mit Klavieren haben, nehmen Sie jemanden mit, der sie hat.

oard;

Aktuelles